
04.04.2026 – 15 Uhr
Café Noir
Schauenburgstraße 5, Karlsruhe
Eine der bedrückendsten ,offenen Flanken’ innerhalb der anarchistischen Szene ist die auch nach der Shoah unzureichende Reflexion über den Antisemitismus, der fälschlicherweise unter dem Begriff ,Rassismus’ subsumiert wird. Hierbei wird übersehen, dass sich Judeophobie bis heute – besonders im deutschsprachigen Raum – als eine eigenständige Diskriminierungs- und Unterdrückungsform erweist.
Antisemitismus ist die älteste, uns bekannte Erscheinungsform der Gruppenfeindschaft. Zu den judenfeindlichen Typologien zählen religiöser, sozialer, kultureller, ökonomischer, nationalistischer, rassistischer, eliminatorischer und israelbezogener Antisemitismus, letzter wird besonders in linkspolitischen Milieus, im Wissenschafts- und Kulturbetrieb sowie in akademisch gebildeten Bevölkerungskreisen vertreten. Das Thema Israel und Nahostkonflikt wird vermeintlich als ,kritische Auseinandersetzung“ behandelt, tatsächlich verbreitet werden allerdings nicht selten judenfeindliche Stereotype und israelfeindliche Ressentiments.
Der Vortrag behandelt Antisemitismus/Antizionismus innerhalb des Anarchismus aus libertärer Perspektive.
Lesetipps:
Siegbert Wolf/Jürgen Mümken (Hrsg.), „Antisemit, das geht nicht unter Menschen“. Anarchistische Positionen zu Antisemitismus, Zionismus und Israel. 2 Bände. Band 1: Von Proudhon bis zur Staatsgründung. Band 2: Von der Staatsgründung bis heute. Lich/Hessen: Verlag Edition AV, 2013 u. 2014; Frederik Fuß (Hrsg.), Anarchistische Scheidewege. Zum Verhältnis von Anarchismus und Antisemitismus. Moers: Syndikat A, 2025.